„Der Erste im Kosmos“ (Первый в космосе)

Перевод на немецкий: Лена Мучин

Aleksej zog sich die Jeansjacke über den Kopf, sich durch windend durch die Pfützen und lief entlang der Sretenka in Richtung des Gartenringes.

Ein paar Meter vor dem Vestibül der U-Bahn, bog er abrupt nach rechts ab, machte den letzten Schritt und öffnete die Stahltür der Cheburekibar „Druzhba“.

Im Inneren, hinter den Reihen hoher Tische standen wie die Spatzen die aufgeplusterten Besucher, zwischen denen sich zerzauste Männer in Arbeitsanzügen und billigen Lederjacken.

Fast vor jedem Gast der Cheburechnaja stand eine Flasche Wodka mit Plastikgläsern oder ein paar Flaschen Bier. Für eine Sekunde hoben die Männer ihre schweren Blicke auf Aleksej und gleich. Das Interesse verlierend, kehrten sie zu den langsamen, trunkenen Gesprächen zurück.

Es begann nach fettigem Teig zu riechen und etwas säuerlich nach Fleisch. Für Aleksej, der seit seiner Kindheit an Chebureki gewöhnt war, waren diese Gerüche Vorläufer eines gastronomischen Vergnügens. Die von der Hitze und dem Atem der Besucher bedeckten Fenster schufen ein seltsames Gefühl von Gemütlichkeit. Aleksej klopfte sich die Jacke ab, richtete sich das zottelige Haar zurecht und begab sich zu der Kasse, vor welcher bereits eine kleine Schlange stand. Auch hinter ihm stellten sich Menschen in die Schlange. Zum Ende des Arbeitstages füllte sich die Cheburechnaja immer ganz voll. Aleksej wurde nervös, es gab eine reale Chance, dass er keinen Platz am Tisch bekommt. Normalerweise beschäftigte er sich nicht mit der Suche nach einem Sitzplatz und ging zum Essen nach draußen, doch bei so einem Wetter war das nicht möglich.

Die Kassiererin, eine füllige Dame mit geschminkten Augen, in weißer Schürze und einem Kochhut, kannte ihre Sache gut, die Schlange bewegte sich vorwärts. Schon nach ein paar Minuten stand Aleksej vor der Kasse. Ohne ein Wort zu sagen, blickte die Frau fragend auf ihn. In ihren Augen war nichts freches, nur Müdigkeit und professionelle Gleichgültigkeit.

„Für mich …zwei Chebureki und ein Bier…bitte.“

„Welches Bier?“

„Welches habt ihr da?“

„Heute nur Dzhiguli.“

„Warum fragen Sie dann?“

„Junger Mann, wir haben normalerweise noch anderes Bier, jedoch nicht heute. Woher soll ich wissen, vielleicht wollen Sie genau dieses. Nun denn, nehmen wir das Bier?“

„Natürlich…“

„Dann 210 Rubel.“

Aleksej reichte ihr einen 500 – Rubel- Schein. Die Kassiererin zählte das Rückgeld, knackste mit der Kasse und führte den Blick auf den nächsten Kunden.“

Aleksej nahm die Flasche und den Plastikteller mit den Chebureki, schaute sich um, doch es gab keine freien Tische. Er wollte sich nicht zu einer Gruppe gesellen, deswegen begann er nach Plätzen zu schauen neben einzeln stehenden Menschen. Das Publikum in „Druzhba“ War wie immer unterschiedlich, in der Ecke, umgeben von zwei ihn bestaunenden Damen, malte ein sehr betrunkener, bärtige Mann etwas in sein Album. Ein alter Mann mit zotteligem Haar und zitterndem Gesicht las am Fenster ein Buch, das eingewickelt war in Zeitung. Eine Frau im roten Mantel, mit gefärbten, schiefen Augenbrauen, aß ein Cheburek. Ihr kleiner Finger mit einem indischen Ring, steckte heraus. Dazu trank sie einen „Kinovsker“ Kognak aus einem kleinen Fläschchen.


Mit ihr an einem Tisch saß ein Kerl in Sandalen und Shirt, knabberte von unten einen Cheburek und saugte daraus den Bouillon. Der glatzköpfige Mann im Kostüm goss den Saft des Chebureks akkurat in den Löffel.
Endlich erblickte Aleksej einen etwas mitgenommenen, doch intelligent ausschauenden Mann, der sich gedankenverloren über den runden, roten Tisch beugte, mit der Aufschrift „Coca Cola“. Vor ihm stand eine leere Wodkaflasche und ein Plastikbecher. Aleksej dachte, dass dieser bald geht.

„Darf ich mich zu Ihnen gesellen?“

Der Mann antwortete nicht direkt, so als ob er aus der Tiefe seiner Gedanken auftauchte. Es schien, als ob er nur mit Mühe seinen Blick auf den Gesprächspartner fokussierte.

„A? Ja natürlich…“

Aleksej stellte seinen Teller und die Flaschen auf den Tisch.

„Nun, der Mann ist wach, gleich versteht er, dass er nach Hause muss und geht.“, dachte er, wischte sich die Finger mit einem Tuch ab und begann den ersten Cheburek zu essen. Doch es sah so aus, dass der Mann nicht vorhatte zu gehen. Anstatt dessen schaute er auf den kauenden Aleksej und störte ihn dabei, sein Essen zu genießen.
„Was wollen Sie“, fragte Aleksej gereizt.

„Nichts.“

Der Mann drehte sich für einige Sekunden um, und begann dann seinen Nachbarn wieder anzublicken. Aleksej war so böse, dass er plötzlich in den Cheburek biss und der Bouillon auf seine Jacke spritzte. Er versuchte den Fleck mit der Servierte abzutrocknen, doch das reichte nicht.

„Mann, was möchtest du?“ Aleksej hielt sich zurück, um seinen neuen Nachbar nicht anzuschreien.

„Ich? Nichts…mache ich Sie konfus?“

„Ja man, machst du! Und wie! Was glotzt du mich an, denkst du es ist angenehm für mich zu essen, wenn man mich so anblickt?“

„Entschuldigen Sie mich. Ich war einfach gedankenverloren…Nun um ehrlich zu sein, wenn man sehr gerne trinken möchte, und man kein Geld hat…“
Der weiche, sich entschuldigende Ton des Gesprächspartners beruhigte Aleksej, er tat ihm leid. Sieht so aus wie ein intelligenter Mensch und muss betteln.

„Gut, so dachte ich es mir. Soll ich dir was fürs Bier geben?“

„Ich bin Ihnen sehr dankbar! Doch ich möchte nicht unhöflich sein, vielleicht sollten wir beide lieber etwas Wodka trinken?…Und ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die Sie sicher nirgendwo zu hören bekommen.“

In Aleksejs Kopf erwachte und reifte eine professionelle Neugier. Man muss bemerken, dass er in einem der gelben Gebäude arbeitete, das einen Teil dazu beitrug Publikationen über Verschwörungstheorien zu veröffentlichen, genauso wie verschiedene, irre Geschichten über Außerirdische, Werwölfe und Poltergeister.

Die nicht formelle Spezialisierung Aleksejs in der Zeitung waren Gerüchte und städtische Legenden. Man zahlte den Journalisten nicht viel, doch Aleksej liebte es, im Internet verschiedene Beweise von Obskuritäten herauszufinden und diese schön auszumalen in seinen Artikeln. Die Cheburechnaja „Druzhba“, die in der Nähe der Redaktion lag, bot nicht zum ersten Mal interessante Geschichten. Letzte Woche lobte der Hauptredakteur die Materialien Aleksejs, darüber wie Souvenirmagnete das Essen im Kühlschrank bestrahlen. Dieses Sujet schrieb er aus den Worten irgendeines Verbindungsmannes.

„Welche Geschichte?“ fragte Aleksej und bemühte sich gleichgültig zu klingen.

Der Mann blickte vieldeutig auf den Journalisten.

„Sagen wir mal, ich arbeitete in einem einzigartigen Betrieb, dem ihre Struktur bekannt ist.“

„Nun gut, du hast mich überzeugt, lass uns trinken“, Aleksej gab dem Mann einen 1000 Rubel. „Nimmst du?“

„Klar! Vielleicht noch was zu essen?“

„Ja, kaufe uns noch ein paar Chebureki.“

„Wunderbar! Übrigens ich habe ganz vergessen, mich vorzustellen, ich heiße Oleg.“

„Aleksej.“


Die Männer reichten sich die Hände.

„Sehr angenehm! Nun, ich beeile mich.

„Mach langsam.“

Um nicht ein Detail der bevorstehenden Diskussion zu verpassen, machte Aleksej das Diktiergerät auf dem Smartphone an und legte dieses mit dem Bildschirm nach unten auf den Tisch. Nach ein paar Minuten, noch belebter, kehrte Oleg zurück mit einer Halbliterflasche, auf der zwei Wodkagläser befestigt waren und einem Teller mit Chebureki zurück. Er stellte alles auf den Tisch, nahm aus der Tasche das Rückgeld und reichte es Aleksej. Dann nippte er am Wodka und sagte, als ob er sich entschuldigen würde:

„Weißrussisch…“

Welch ein Unterschied. Gieße ein.“

Oleg machte mit zitternden Händen den Deckel ab und goss den Wodka in die Gläser.

„Auf unser Treffen!“

Die Männer hoben die Gläser und tranken. Oleg alles auf Anhieb, Aleksej zuerst bis zur Mitte, dann kaute er den Rest des alten Chebureks und trank das Glas leer. Oleg biss vorsichtig in den Cheburek.

„Welche Geschichte hast du mir zu erzählen?“ fragte Aleksej.

Oleg legte langsam den Cheburek auf den Teller, machte sich die Finger sauber und den Mund mit einer Papierserviette, faltete sie zwei mal und begann dann zu sprechen.

„Bevor ich Ihnen erzähle, womit ich mich einmal befasst habe, muss ich eine kurze historische Exkursion machen. Sonst versteht man das nicht. Sagen Sie, Aleksej, sie wissen doch wer Jurij Gagarin ist?“

„Und ob! Bist du von den Kosmonauten?“

„Nicht ganz“, lächelte Oleg frech, „man kann mich als Bewahrer des Erbes von Gagarin zählen.“

„Bist du ein Museumsarbeiter?“ fragte Aleksej mit einer schlecht verstecken Enttäuschung. Er goss den Wodka in die Gläser. Die Männer tranken. Aleksej goss wieder ein.
„Oooo, nein, was sagen Sie da! Ich bin eher ein…Praktikant.“

„Verstehe ich nicht…“

„Wie soll ich es besser erklären…Lasst uns von weit her beginnen. Worin, Ihrer Meinung nach besteht die Größe Gagarins?“
„Na hör mal, welche Fragen stellst du? Natürlich weil er der erste im Kosmos war.“

„Ja, Gagarin war der erste im Kosmos, das ist Fakt. Alle wissen es. Doch es gibt noch eine weitere Tatsache – er ist nicht einfach nur so dort herum geirrt. Während er im Orbit war, traten mit ihm die Vertreter einer nicht irdischen Zivilisation in Kontakt. Um einiges mehr entwickelt als die unsrige. Verstehen Sie, was das bedeutet?!“ Oleg, selbst verwirrt von der eigenen Erzählung, begann den Tisch zu schaukeln. Aleksej nahm für alle Fälle das Glas mit Wodka in die Hand. Oleg nahm diese Geste als Einladung an. Sie tranken und füllten wieder die Gläser.

„Und nun?“

„Weil Gagarin der erste Mensch war, mit dem sie sich berieten, nahmen sie ihn auf als Imperator der Erde. Das ist übrigens sehr schwer verständlich… Denn früher flogen sie zu uns auf den Planet, und wählten hier jemanden aus, als Vertreter, um die Dinge besser im Griff zu haben.

Sie haben doch sicher gehört, dass sie die Pyramiden gebaut haben?“

„Natüürlich!“ sagte sarkastisch Aleksej, doch Oleg bemerkte nicht dessen Ton.

„Nun denn, sie geben allen Pharaonen Technologien, teilten sozusagen das hohe Wissen. Erst später stellte sich heraus, dass die Ägypter all diese Technologien wie auch immer verwenden und sogar nicht in de Lage sind, eine Armee aufzubauen. Mit einem Wort, als Ägypten okkupiert wurde, schalteten die Außerirdischen auf Rom um. Rom fiel, und als nächstes eroberten sie Byzanz. Doch als Konstantinopel fiel, hörten sie ganz damit auf, auf die Erde zu fliegen.

Sie beschlossen, dass Menschen sich selbst entwickeln sollen, um sich wenigstens von ihrem Planeten loszureißen. Wer als erster im Kosmos ist, der wird auch erster auf der Erde sein. Auf diese zählen die Außerirdischen. Sie bauten auf dem Erdorbit etwas im Sinne eines Grenzpostens und begannen zu warten. Zuerst flogen die Tiere in den Kosmos, doch die Außerirdischen schafften es nicht, mit ihnen Kontakt aufzunehmen.Und weiter, am 12 April des Jahres 61, geht Jurij Gagarin als erster in den Orbit und die Außerirdischen erwarten ihn dort bereits mit Brot und Salz, fragen ihn im guten Russisch: „Jurij, bist du hier der Wichtigste?“ Er dachte, sie meinten das Luftschiff und antwortete, natürlich „der wichtigste“, einen anderen gibt es hier nicht. So nahmen ihn die Außerirdischen als Machthaber des Planeten auf. Können Sie sich das vorstellen? Das bedeutet, der einfache, russische Mann ist der Wichtigste auf der Erdkugel. Und wenn die Außerirdischen kommen, wird er, genauer seine Gesetzeserben, die Erde erben. Russland wird zum Zentrum der Welt.

Am verschwommenen Blick und den roten Wangen, konnte man sehen, dass Oleg schon recht betrunken war. Sein Becher war ebenfalls leer. Aleksej trank seinen Wodka aus, biss in den Cheburek, und goss die Reste aus der Flasche.

„Eine großartige Geschichte. Ich verstehe nur eines nicht, wenn wir schon seit 50 Jahren der offizielle Bauchnabel der Welt sind, warum leben wir dann in einem solchen Dreck?“ Aleksej begann in der trüben Atmosphäre ebenfalls betrunken zu werden, zeigte mit einer dramatischem Geste durch die Cheburechnaja.

„Nun, die sind noch nicht hier. Wenn sie da sind, dann rollen wir die Erben Gagarins nach vorne. Werden zu den Statthaltern. Darauf ist es keine Sünde zu trinken.

Die Männer stießen an und stellten die Becher weg. Aleksej aß den Cheburek bis zum Ende. Oleg, der seinen ebenfalls aufgegessen hatte, quakte wie eine Ente.

„Doch hier, wie Sie verstehen“, fuhr Oleg fort, „gibt es einen Schlüsselmoment – die Erben Gagarins sollen nur bei uns sein. Sonst können sie den Thron für sich beanspruchen!…Nun, ich denke, unser Wodka ist alle…Vielleicht nehmen wir zur Abwechslung einen Kognak? Hier gibt es einen guten „Kinovskij“:

„Onkel, werde nicht frech!“

„Gut, gut. Wodka dann Wodka. Kommandeur, gibst du uns die Beköstigung?“, fragte schüchtern Oleg.

Aleksej kramte in der Tasche, nahm einige zerknitterte Scheine heraus und ohne auf diese zu blicken, reichte er sie Oleg.

„Und bring uns Bierchen mit.

„Unbedingt!“

Oleg wurde echtwas nüchterner und materialisierte sich zurück mit einem Wodka und zwei Flaschen Bier. Den Wodka machte er wie ein Hausherr auf und goss sie in Gläser. Die Männer tranken, darauf tranken sie Bier.

„So, wo blieb ich stehen?“

„Dass die Erben nur in Russland sein sollen.

„Sehr richitg! Und hier, junger Mann, nähern wir uns dem aller Interessantesten…“

„Was kann es noch interessanteres geben?“, lächelte Aleksej.

„…Kennen Sie viele Erben Gagarins?“

„Ich meine er hat eine Tochter…oder zwei. Die eine von beiden leitet irgend ein Museum.“

„Sehr richtig. Doch wundert es Sie nicht, dass ein solch populärer und liebenswürdiger Mann wie Gagarin nur zwei Töchter hat von einer offiziellen Frau?“
Um ehrlich zu sein, habe ich mich nie damit beschäftigt. Du willst sagen, dass Gagarin viele Kinder hat?“ fragte Aleksej, die Chebureki kauend.

„Es gab viele“, lächelte wieder Oleg. „Doch jetzt nicht. Und darin besteht der große Verdienst des Bereiches unseres geheimen Dientes, wo ich mehr als dreißig Jahre arbeitete.“

„Mjaa…“, war das einizge was Aleksej dazu zu sagen hatte. Er goss noch mehr Wodka ein, Oleg zog geizig den Becher an sich und trank in einem Zug aus. „Habt ihr sie etwa getötet?“

Oleg runzelte leicht die Stirn, entweder vom Wodka oder von der Frage.

„Nun, irgendwo ist es so, und irgendwo anders….Man besprach mit den Müttern wenn es nicht zu spät war. Unterschiedlich.“

„Haben Sie Ihnen nicht leid getan?…Das sind doch Kinder! Sind sie etwa an etwas schuld?“

„Was ist schon ein Kind im Verhältnis mit der Weltregierung und ewiger Macht Russlands?“

„Und kennst du viele solcher?…Ich meine persönlich?…“

„Ich kam in den Achtzigern in den Betrieb, als die wichtigste Front der Arbeit bereits geschlossen war…“, antwortete mit einem ernsten Ausdruck und gesammelter Oleg. „Die meiste Arbeit hatten wir als Gagarin noch lebte. Doch ich verberge es nicht, ich habe auch was abbekommen, man konnte schließlich nicht alle Erben finden. Ich bekam sogar einmal eine feste Nuss, er lebte bis er 27 wurde. Ich zeige Ihnen nun etwas.

Oleg nahm aus der Tasche einen Stapel mit Papieren, sortierte sie lange, bis er nicht die richtige gefunden hat. Mit einem zufriedenen Blick reichte er diese Aleksej. Dies war eine gewöhnliche Fotografie, ausgderuckt in schwarz-weiß, irgendeines Mannes mit Jeansjacke. Nach dem Zustand des Papieres zu urteilen, erzählte Oleg nicht das erste Mal diese Geschichte im Austausch für eine Verköstigung.

„Sieht er Gagarin ähnlich?“ fragte er.

„Ehrlich gesagt nicht besonders.

„Doch tut er. Wissen Sie wer das ist?“

„Nein.“

„Court Kobain!“

„Ach was?! Ist es wirklich er?…“

Oleg strahlte vor dem bewirkten Effekt.

„Ja, egal. Das ist der Sohn Gagarins.“

„Wie das?“

„Sehr einfach, in Wirklichkeit ist er ein hundertprozentiger russischer Kerl, seine biologische Mutter kam aus Brjansk. Sie traf Gagarin in der Zeit ihrer Ankuft in die Stadt im Mai 1966. Im Sommer floh sie dann aus der UdsssR auf einem Handelsschiff und fand sich erst im türkischen Trabson wieder und dann, nachdem sie mit Transit ein paar Länder durchfuhr, ließ sie sich am Pazifikufer der USA nieder. Das Stadium der Schwangerschaft war nicht hoch, sie wandte sich nicht an Ärzte. In Amerika verliert sich ihre Spur, möglich, dass sie immer noch lebt, doch so oder anders, sie wollte ihr Leben nicht dem Säugling widmen und ließ ihn im Krankenhaus unter einem falschen Namen.“ Oleg nippte am Bier. „Es sah so aus, dass in der zweiten Hälfte des Jahres 1967, Vendy Kobain sich des Säuglings annahm. Hier hätte alles zuende gehen können und Kurt blieb bis zum hohen Alter in den Wäldern Washingtons leben.“

„Wenn er nicht berühmt geworden wäre?“

„Genau das.“

„Entschuldige. Aber bisher klingt das alles nach Unsinn…“

„Sie können mir natürlich nicht glauben – da ist ihre Sache, Doch das ist die pure Wahrheit. Hör weiter zu und urteil selbst. Im Jahr 1988 kommt das Album Nirvanas heraus. Dieses war nicht sehr erfolgreich, und in der Sowjetunion war es derzeit heiß, Chernobyl, Perestrojka, Spitak, Pogrome, Sorgen…Doch wir bemerkten den Kerl und nahmen ihn auf. Übrigens hat Cobain selbst verstanden, dass mit ihm was nicht stimmte…Ich las sein Interview…Er hat sich in der Kindheit vorgestellt, dass er ein Außerirdischer ist, stellen Sie sich das vor?…“

Oleg goss sich noch mehr Wodka ein und Aleksej ebenfalls. Die Männer tranken.

„Um zu verstehen, ob vor uns wirklich der Sohn Gagarins ist, und ihn gleichzeitig in die operative Mitarbeit einzuladen, hat man entschieden, dass man ihn mit unserer Sex- Agentin Nadja zusammen treffen lassen sollte. Sie weidete in „Inturist“, doch kam blöderweise mit Drogen in Verbindung. Wir nahmen sie auf mit der Tüte und seitdem half sie uns oft aus. Diesmal war ihre Mission schwerer als üblich doch auch die Belohnung dementsprechend gut. im Falle des Erfolges bei der Operation versprachen wir ihr die Möglichkeit zu lassen in den USA zu leben unter einem Decknamen. Wie Sie verstehen, Ende der achtziger hat man solche Möglicheiten nicht einfach nur verschenkt.“

„Und ob. Sie können sich gar nicht vorstellen, welche Mühe wir hatten, sie vom Akzent zu befreien…“

Oleg goss wieder Wodka ein.

„Nun auf Kurt Jur’evich, ohne anzustoßen“, sagte er und ohne das Gesicht zu verziehen, trank er das Glas aus.“

Aleksej trank auch den Wodka ganz aus und goss sich danach Bier ein. Die Geschichte Olegs schien ihm abslolut wild zu sein, wobei sie ihn auch gleichzeitig verblüffte, nun wollte er sie unbedingt zu ende hören.

„Nun denn, wir haben unserer Nad’ka einen amerikanischen Pass drucken lassen, dachten uns eine Legende aus, so nach dem Motto, sie lebte in Irland, Japan und in den Anfängen der 1990er wurde sie in die Staaten geworfen…Bekanntschaft mit Cobain, mit ihren Fertigkeiten war es ein Sache der Technik. Sie sammelte, wie wir es ihr vorschrieben, die Biomaterialien Kurtes , es ging alles dahin, dass der Sohn Gagarins nicht bei uns blieb. Es stellte sich die Frage nach der Liquidierung. Doch hier geschah es, Nirvana schaffte es bekannt zu werden, es war schwer ihn im Verborgenen zu lassen.

Besonders nachdem im Jahr 1991 Nevermind herauskam. Und nun ist auch die Sowjetunion zerfallen…uns war nicht nach Cobain, wir bemühten wenigstens die Gesellschaft zu bewahren. Wir arbeiteten nur wegen der Ehre.“

„Stellen Sie sich vor, ich musste mit meinem Zhiguli das ganze Jahr durch die Stadt rasen. Ich, ein Kaderoffizier.“

„Oleg, du gehst in irgendeine falsche Richtung…Was war denn nun mit Cobain und jener…Nadja Love?“

„Cobain, ja…Nun wir, sagten Nadja, sie solle warten und sich mit irgendetwas Nützlichem beschäftigen. Sie hat ja eigentlich das Musikiinstitut im Fach Akkordeon beendet. So begann sie in Amerika aus sich eine Punk-Rockerin zu machen. Un dann geschah, dass unsere Kurtni zum Stern wurde. Dann fanden Sitins statt, Drogen…Wozu erzähle ich das?“

„Wozu?“, der Verstand Aleksejs fing nur noch mit Mühe die Details der Geschichte auf. Desto glaubwürdiger kam ihm die Erzählung Olegs vor.

„Man muss trinken, um sich zu erinnern…Deine Gesundheit!“, Oleg goss sich Wodka ein und mischte diesen mit dem Bier im Becher. So trank er den Coctail in einem Zug.“ „Es sieht so aus, dass wieder alles leer ist.“

„Ich gehe…“, Aleksej ging an den Nachbartischen vorbei, wackelnd, und erreichte die Kasse von der falschen Seite. Doch niemand beschwerte sich in der Schlange. Nur ein paar Männer in Arbeitsanzügen lächelten. Aleksej versuchte ihnen als Antwort zu lächeln.

„Herr, was möchten Sie?“

„A?…Nun…Wodka…“

Die Frage dr Kassiererin überforderte Aleksej.

„Äähm…“

„Gut, ich verstehe auch so“, die Kassiererin stellte vor Aleksej eine Halbliterflasche weißrussischen Wodkas. „Wollen sie Chebureki?“

„Nein….“

„500 Rubel.“

Aleksej nahm den Geldbeutel heraus und schüttete daraus, was noch übtig war, die Münzen inbegriffen. Die Kassiererin sah ihn feindselig an und begann das Geld zu zählen.

„Hier sind nur 467.“

„Kann man mit Karte zahlen?“

„Junger Mann, sind Sie das erste Mal hier? Wir nehmen keine Karten an.“

„Ich habe nicht mehr…“

„Dann bleiben Sie heute ohne Wodka“, die Kassiererin nahm gereizt die Flasche vom Tresen.“ „Oder nehmen Sie vier für 100, dafür reicht es.“

Aleksej blickte verzweifelt auf die Kassiererin, ohne zu wissen, was er nun tun sollte.

„Ach, hör auf Ljusja, warum beleidigst du ihn!“, trat für ihn einer der Kerle ein. „Da sind nur ein paar Münzen. Wie geben was dazu.“

Der Mann zählte ein paar Münzen ab und legte sie vor die Kasse. Die Kassiererin verzog das Gesicht und stellte schweigend die Flasche zurück. Aleksej schnappte sich diese.

„Erhole dich, Kerl!“ Der Arbeiter klopfte gutmütig auf Aleksejs Rücken, wovon dieser fast den Wodka fallen ließ.

Die Flasche in den Händen haltend, wanderte Aleksej langsam zu Oleg. Dieser schien erstaunlich nüchtern zu sein und blickte tiefgründig aus dem Fenster, wie ein Stratege auf dem Feld, wo jeden Augenblick ein entscheidender Kampf statt finden wird. Als er den herannahenden Aleksej bemerkte, bewahrte er die stoische Distanziertheit in seinem Blick, wobei es ihm vielleicht einfach schwer fiel, sich zu fokussieren. Als sein Flaschenparartner endlich den Tisch erreichte, gab Oleg mit einer achtlosen Geste Aleksej den Becher. Aleksej goss sich und ihm Wodka ein, und verschüttete etwas auf den Tisch. Sie tranken.

„Worüber habe ich gesprochen?…“

„Irgendetwas über Courtny Love…“

„Ja, Nadjuha…ist vollkommen frech geworden! Es fiel schwer, sie zu kontrollieren. Ja, was hätten wir tun können?…Wir saßen hier in Moskau mit nackten Ärschen!…“

„Olegchen, du bist wieder abgelenkt…“

„Ja, verzeih mir. Also wir mussten was unternehmen. Doch was?…Und wie?…Wir begannen nachzudenken. Und wir erreichten etwas…Cobain gefiel unserer Nadjka überhaupt nicht. Irgendein Penner, sie war bei Inturist an solide Menschen gewöhnt, in Kostümen…“

Aleksej verspürte plözlich Mitleid mit Cobain, aus den Augen flossen Tränen.

„Blöde Schlampe…“ er klopfte laut mit der Handfläche auf den Tisch, sodass die Menschen an den Nachbartischen sich umdrehten. Als ob man in der Cheburechnaja die Geräusche ausgemacht hätte. Nur die Frau im roten Mantel murmelte leise, ohne sich umzudrehen: „Selber Arschgeige“. Doch es fand kein Ereignis in Form eines Kampfes statt oder eines Skandals und nach ein paar Sekunden verloren die Besucher das Interesse am angetrunkenen Pärchen. Der Raum füllte sich wieder mit Geräuschen.

„Wie sie halt so ist…Dafür ohne Angst! Nicht jeden Tag, weißt du, kann es…“

„Also habt ihr sie gedrängt?“

„Natürlich….Doch das war nicht einfach! Wir mussten einen Macker zu ihr schicken, wir hatten das einen, einen Spezialist für Frauen. Er fuhr heran, Kino, Wein, drehte sie auf…Also verliebte sich Nadjuha in ihn über beide Ohren! Und dann flog sie…“

„Das bedeutete, dass die Tochter Cobains, gar nicht seine Tochter ist?“

Nun ja…deswegen lebt sie“, Oleg goss wieder Wodka ein, hob sein Glas und trank aus.

„Das bedeutet, dass Nad’juha…als es bekannt wurde, dass sie schwanger ist, von ihrem Kavalier verlassen wurde…Natürlich war sie traurig, die Ärzte rieten ihr damals, eine Abtreibung zu machen…Nun und wir…beruhigten sie, überredeten sie, das Kind zu behalten…Nun, wir hatten Macht über sie, und wir konnten Cobain immer wieder sagen, dass es nicht seine Tochter ist…“

„Warum habt ihr es nicht direkt gesagt?…Er hätte früher wahrscheinlich…Nun du verstehst!“

Von dem langen Stehen taten Aleksej die Beine weh. Er stützte sich mit dem ganzen Körper auf den Tisch, wovon sich dieser biegte. Oleg schnappte mit einer schnellen Bewegung die Wodkaflasche, welche fast auf den Boden gefallen wäre.

„No, no!“, konnte er gerade so aussprechen vor Sorge.

„Entschuldige…ich bin irgendwie müde…Warum habt ihr denn nun Kurt bewahrt?“

„Ich erinnere mich nicht…Entweder mochte unser Chef ihre Musik, oder wir hatten keine andere Wahl…Nachdem die Sowetunion zusammenbrach, erinnerst du was da war“, Oleg betrachtete Aleksej mit einem bewertenden Blick, „Wobei, wahrscheinlich erinnerst du dich nicht…Der Arsch war kürzer! Frieden, Freundschaft, American Boy…Man hat für diese Sache so viel aufgegeben….“

Oleg machte sich mit Sorge sein Gesicht mit den Handflächen zu. Seine Schultern zitterten etwas. Aleksej reicht ihm die Hand.

„Hey, Oleg, was ist mit dir?…Bruder, was ist geschehen?…“

„Nichts, alles gut…ich brauche eine Sekunde…“

Aleksej verstand alles ohne Worte, das Geräusch der Flüssigkeit , die in das Glas gefüllt wurde, half es dem Gesprächspartner sich wieder zu sammeln. Oleg rümpfte sich ein paar Mal die Nase, trocknete sich das Gesicht mit dem Ärmel ab, trank und fuhr mit seiner Geschichte fort.

„Nun…man gab uns von oben keine Handzeichen, man hatte Angst, sich mit den Amis zu streiten…Sie wollten unser Projekt verdrehen…“

„Mmmh, ja, das sind Angelegenheiten…“

„Nunn denn, in den 93ern schoss man auf das Weiße Haus, im Westen verglich man Jelzin mit Pinochetti, das gefiel ihm nicht, und da erinnerte er sich endlich an den Vorlauf Gagarins!…Unser Leiter wurde in den Kreml geladen, um zu verstehen, was mit dem Projekt geschieht…Er hat sich alles von der Seele geredet, es gibt ja nichts mehr zu verlieren! Das war ein normaler Kerl…Boris Nikolaevich eschauffierte sich natürlich, die Ankömmlinge, die Macht über dem Planeten…Man hat uns die Finanzierung um 10 mal vergrößert. Und Cobain haben sie natürlich auch nicht vergessen…Man sagte, man muss die Sache mit ihm beenden, bis die Amis es nicht aushalten konnten, dass auf der Bühne ein Weltherrscher mit einem schmutzigen Hemd springt…Nun, wir haben Courtny die Aufgabe gegeben, ihm ein höllisches Leben zu bereiten…Er saß bereits an der Nadel und wir hofften, dass er einfach eine Überdosis bekommt…Doch als Nadja ihm sagte, dass das Kind nicht von ihm sei, begann er zu fliehen…“

Aleksej goss Oleg noch mehr Wodka ein.

„Und weiter? Wie ging es weiter?“

Oleg kniff die Augen zusammen und trank ohne Eile aus.

„Nun, wir haben mit ihm abgerechnet, obwohl er uns zwang, nervös zu werden, er trieb sich in den Kloaken Seattles rum… Nadjuha, mit einem anderen von unseren Agenten haben ihn in irgendeinem Puff herausgegraben…Weiter musste man natürlich etwas dazu erfinden, man brachte ihn ins Haus, doch er hatte nicht vor zu sterben, schrie, riss sich los…Sie haben ihn irgendwie ausgeschlagen und setzten in seine Vene eine Dosis Heroin….Natürlich haben sie noch davor einen Zettel geschrieben, ein Spezialist der Übersetzung von mittelalterlichen Poeten schrieb diese…Doch hier wurde Nadja genervt, begann zu kreischen, zu sagen, er sei ein Drogenabhängiger… Also, man beschloss ihn, um sicher zu gehen, ihn mit dem Revolver zu töten…“

„Und hat man euch geglaubt?!…Sie beschlossen, aus dem Revolver in den Kopf zu schießen…die Idioten…“

„Nein, natürlich, doch es gab jene, die unsere Nadjuha mit Schmutz bekleckerten, so nach dem Motto, sie hat einen Mann bestellt nur für Geld…Man musste sich bemühen, um sie als Idioten darzustellen…Doch die Bullen graben nicht sonderlich tief in allen Ländern…“

„Zum verrückt werden….“

„Nein, Sie…ich meine du, damals waren andere Zeiten…es war nicht üblich, überall die russische Spur zu suchen…In der damaligen Zeit hätte man uns als erste verdächtigt… man muss nun feinfühliger arbeiten…“

„Ist Cobain etwa nicht der letzte Erbe Gagarins?…“

Der Chekist verbog geheimnisvoll seine Augenbrauen, goss sich ganz unzeremnoiell den restlichen Wodka in den Becher und trank ihn in einem Zug aus.

„Nun, so ist es…eine solche Geschichte …Aleksej, ich habe dich übrigens gar nicht nach deinem Nachnamen gefragt?“

„Polikarpov.“

„Ist es der Nachname deines Großvaters? Und deine Großmutter, hat sie zufällig im Jahr 67 auf Jalta Urlaub gemacht?“

Einem Eisberg gleich, der sich von dem Gletscher löste, löste sich Oleg von dem Tisch und schwamm in Richtung Ausgang. Aleksej verabschiedete ihn mit einem melancholischen Blick eines stark betrunkenen Menschen. Die Gedanken in seinem Kopf dröhnten wie ein riesiger Bienenstock, in dem man die unterschiedliche Geräusche nicht bestimmen konnte. Zu viel Informationen…Aleksej konnte in seinem Kopf gar nicht die Fäden der Geschichte zusammenweben und sie zu einer einheitlichen Erzählung formen.

„Gagarin, Außerirdische, eine Prostituierte aus dem Inturist…Cobain, eine falsche Tochter…Irgendein Mist! Auf der anderen Seite, weiß der Teufel….das Foto sieht ihm ähnlich! Das Lächeln Gagarins, dieses kann man nicht verwechseln…“

Die Putzfrau machte mit abrupten Bewegungen die nachbarlichen Tische sauber, sammelte Flaschen und Platikteller ein.

„Herr, Zeit zu gehen, wir schließen“, sagte sie ohne sich umzudrehen.

Aleksej blickte sich um, der Raum war leer, hinter der Abgrenzung machten die Küchenmitarbeiter Lärm mit dem Geschirr. Es klirrte das Kleingeld in der Kasse. Aleksej klopft sich auf die Wangen, um etwas nüchterner zu werden, steckte sein Smartphone in die Tasche der Jacke. Dann ging er langsam zur Wand, hielt sich an dieser fest, als ob er sich in einem Labyrinth fortbewegen würde, ging zum Ausgang. Die Putzfrau schaute ihn vorwurfsvoll an.


Gut, gut, ich habe verstanden. Ich gehe….“

Tür, Vorraum, dann wieder eine Tür und endlich die Straße mit der frischen Luft nach dem Regen. Es schaukelte alles, Aleksej wurde schwindelig, deswegen beschloss er auf die andere Straßenseite zu gehen und sich auf die Abzäunung der Gartenanlage zu setzten und zu Atem zu kommen. Unter dem Fuß gluckste eine Pfütze. Aleksej fühlte, wie in seinem Schuh langsam die Socke nass wurde. Im Allgemeinen machte es ihn nicht traurig, und lenkte ihn nicht von dem Gedanken an seinen abgetretenen Gesprächspartner ab. In der Kälte fiel das Denken nicht mehr so schwer und nun schien Aleksej all das lustig zu sein, was er vor 15 Minuten für eine wahre Münze hielt.

„Nein, was ein Mist!…Er hat vielleicht erzählt…es tut mir nicht einmal ums Geld leid!…“

Die Übelkeit verschwand langsam und Aleksej dachte, dass es im Prinzip keinen Unterschied macht, ob die Geschichte, die Oleg ihm erzählt hat, wahr ist. Im Endeffekt ist es wichtig, dass sie schlüssig ist, man kann sogar ein Bild hinzufügen, dieses findet sich sicher im Internet. Aleksej stellte sich vor, wie seine Forschung zum Material der Woche sein wird oder sogar des Monats und er überlegte sich, wofür er die dafür erhaltene Premie, ausgeben würde. Er hat sich sogar einen Titel für den Artikel ausgedacht: „Moskau – das dritte, kosmische Rom“.

„Man muss unbedingt einen Text skizzieren, selbst wenn es nur ein Schema ist, noch sind die Eindrücke frisch…“ Aleksej machte den Voicerekorder aus und öffnete die Notizen, doch er verstand, dass in seinem Zustand etwas zu schreiben, vor allem in der Dunkelheit, unmöglich war, und er steckte das Telefon zurück in die Tasche. „Zuhause, alles zuhause…Zeit nach hause zu gehen…“

Er schüttelte den Kopf um noch etwas nüchterner zu werden und begann aufzustehen und sich in Richtung „Sauber Quellen“ zu begeben, als er bemerkte, dass nicht weit von ihm, auf irgendeiner Abzäunung irgend ein Mann sitzt mit einem abgetragenem Pullover Boys mit einem angeschwollenen Gesicht. Der Mann macht nichts und blickte auch nicht in die Richtung Aleksejs, doch ihm wurde irgendwie mulmig zumute. Er sprang abrupt auf und ging von dem Unbekannten weg.

Die Pankrat’jev-Gasse schaukelte vor den Augen Aleksejs oder er war es selbst, der vom Alkohol und dem schnellen Gang, schaukelte. Der Schrecken half ihm, schnell nüchtern zu werden. Aleksej drehte sich einige Male um, doch der Mann saß da, ohne sich zu bewegen, wie eine absurde, sowjetische Memme. Aleksej ging bis zum Ende der Gasse, bog in die ihm bekannten Höfe ab und fand sich nach einer Minute auf der Ananjevskaja wieder. Bis zum Boulevard und der U-Bahn war es nicht mehr weit.

In den Gassen war es absolut leer, nur in der Ferne bei dem Eingang zu einem Pub, standen einige Menschen.

Aleksej ging an einem zerfallenem Gebäude „Litgazety“ vorbei und begann langsamer zu gehen, damit die zufälligen Beobachter nicht denken, dass er weg läuft. Als er gerade langsamen Schrittes ging, hörte er hinter seinem Rücken irgendein schwaches Geräusch. Aleksej drehte sich um. Hinter ihm, ca. 50 Meter weiter, fuhr ein schwarzer Wagen. Er verlangsamte die Geschwindigkeit bis auf ein Schneckentempo, das Auto wurde ebenfalls langsamer. Der Schrecken begann wieder in seinen Schläfen zu pochen. Die Gedanken verwebten sich im Kopf.

„Soll ich in die Bar laufen und abwarten? Oder zum Boulevard gehen? Doch er ist so oder so schneller.“


Unerwartet, am Anfang der nächsten Gasse, wie ein roter, rettender Ring, kam in die Sicht das Zeichen „Backstein“. Aleksej rannte in dessen Richtung und als er an einigen Häusern vorbeigelaufen war, dreht er sich um. Das Auto zischte die Gasse entlnag und fuhr weiter. Aleksej lehnte sich an die Hauswand und warttete, bis das Herz sich etwas beruhigt.


„Ich sollte das Trinken aufgeben“, dachte er. „Ich bilde mir alles mögliche ein…“

Dazu kam noch, dass das Gefühl der Sorge nicht schwächer wurde. Um nicht zu riskieren und zurückkehren zu müssen, beschloss Aleksej in Richtung Sretenka zu gehen. Lukov-Gasse, in der er sich wieder fand, war absolut menschenleer. Nur in den Häusern leuchteten gelb die Fenster. Er erreichte fast sein Ziel, als der schwarze Wagen umdreht und in seine Richtung los fuhr. Aleksej war sich nicht sicher, dass es das selbe Auto war, doch er wollte es nicht überprüfen.

Links war ein Torbogen mit einem offenen Tor, er rannte mit aller Kraft in diese Richtung.

Aleksej rannte durch den Hof, in die parallele Gasse, doch das rote Auto wartete schon dort auf ihn.

Aleksej beka Panik. Er verstand nicht, in welche Richtung er gehen sollte, und huschte in den nächsten Torbogem, dann in einen weiteren, unter dem Quietschen der Bremsen, er rannte über die Sretenka und da waren wieder nur Höfe, Höfe, Höfe…Doch, egal wohin er lief, schaffte es der schwarze Wagen ihn einzuholen.

Aleksej wurde nun ganz schwach von der Flucht. Von dem Wodka und dem Bier pochte das Herz. In einem Hof, dessen Pforte verschlossen war, befand sich ein Spielplatz mit einem großen Sandkasten. Aleksej erreichte diesen und warf sich auf den Sand, in der Hoffnung, dass man ihn dort nicht sehen wird.

„Wenigsatens noch ein paar Minuten, um wieder zu mir zu kommen…“, dachte er und versuchte so leise wie möglich zu atmen.

Doch da erklang ein Quietschen, die Pforte öffnet sich, auf den Hof fährt das Auto, macht den Motor aus, die Lichter gehen aus. Man hört das Knacksen der Tür und ein leises Geräusch von Schuhen auf dem Asphalt. In der Manteltasche leuchtet das fast leere Smartphone…

Aleksej spürt keine Angst mehr, er schaut in den, nach dem Regen, klaren Himmel, in dem Sterne glänzen und die unendliche Kälte des Kosmos, und das Haus lacht ihn aus, ihn mit seinen schwarzen Augen anblinzelnd.

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